The project Sampling Things – Designing with the Existing was held by Prof. Kurt Mehnert, Fritz Specht and Dustin Jessen at the Folkwang University of the Arts in the winter term 2024/25. The results of the course were documented in an eponymous publication, which can be downloaded here.
Sampling Things – Designing with the Existing
Prof. Kurt Mehnert, Dustin Jessen & Fritz Specht, 2025
In der Musik ist das Sample ein Teil einer bereits fertigen Aufnahme, die zu einer neuen Komposition zusammengefügt wird. Dieses Sampling existiert unter anderen Begriffen auch bei der Gestaltung von physischen Dingen: Die Arbeit mit Readymades, Halbzeugen, Hardware und Objets Trouvés ist ein wiederkehrendes Thema – nicht nur in der Kunst-, sondern auch in der Designgeschichte. Der „new world constructor“, von dem Jasper Morrison in seinem Textbeitrag zur Ausstellung Kaufhaus des Ostens – die eine Referenz für das im Wintersemester 2024/25 durchgeführte Kompaktprojekt Sampling Things war – spricht, bedient sich beim Entwerfen an den existierenden Artefakten und Halbzeugen der industrialisierten Gesellschaft. Von Achille Castiglioni, der in den 1950er und -60er Jahren Autoscheinwerfer oder Traktorsitze in seine Entwürfe integrierte, über Ron Arad, der in den 1980er Jahren mit seinem Rover Chair berühmt wurde, bis zu Klemens Schillinger, der heute Möbel und Leuchten entwirft, bei denen Rohrverbinder oder Gewindestange prominent zum Einsatz kommen, Gestaltende arbeiten seit jeher mit dem Existierenden. Die neue Kombination und Kontextverschiebung der mal vertrauten, mal fremdartigen Objekte verleiht den Entwürfen eine gewisse Lässigkeit, die dem Sampling im Hip Hop nicht unähnlich ist. Dinge werden nicht von Grund auf neu gestaltet, sondern kombiniert, neu arrangiert oder verzerrt. Wenngleich die Arbeit mit dem Existierenden bedeutet, auf bestehende Formen zurückzugreifen, erfordern derartige Gestaltungsprozesse ein hohes Maß an formaler Auseinandersetzung. Der Formfindungsprozess geschieht jedoch weniger mit Stift und Papier, sondern besteht aus dem Auffinden und der Beschaffung der passenden Artefakte. Die Devise für das Projekt lautete daher: Sourcing statt Sketching!
Die Auseinandersetzung mit Existierendem ist im Rahmen eines Designstudiums auf vielfachen Ebenen fruchtbar: Zum einen schult sie das Sehen der gestalteten Umwelt, erzeugt Neugier auf die Artefakte der seriellen Fabrikation und schärft das technische Verständnis ihrer Entstehung. Zum anderen ermöglicht sie den Studierenden, dem finalen Produkt ihres Entwurfs sehr nahe zu kommen. Während im Entwurfsprozess zumeist Visualisierungen und Modelle – also Repräsentationen – die bestimmenden Werkzeuge sind, werden im Kontext der Readymades das Entwurfsmodell und das finale Produkt deckungsgleich. So sind auch die im Projekt entstandenen Objekte keine Modelle, sondern gebrauchsfertige Gegenstände. Gerade im Feld des s. g. „Autorendesigns“ bedeutet dieser Ansatz auch einen niedrigschwelligen Eintritt in eine oft verschlossene Welt des Marktes. Wo hohe Investitionskosten in Werkzeuge die Risikobereitschaft etablierter Hersteller dämpfen können, erlaubt die Arbeit mit existierenden Objekten das Experiment mit kleiner Stückzahl. Gerade den jüngeren Vertreter*innen dieses Ansatzes ist gemein, dass sie die Verwendung bestehender Objekte nicht als Konsumkritik verstehen, sondern auch mit Blick auf Ressourcenschonung argumentieren: Die Rekonfiguration des Existierenden verschlingt potenziell weniger Material und Energie.
So wie es für Musikliebhabende interessant sein kann, herauszufinden, aus welchen Samples sich eine Komposition zusammensetzt, so sind im Folgenden neben jedem Objekt seine Einzelteile abgebildet und die jeweiligen Bezugsquellen und Preise genannt. Diese Sichtbarmachung der Komponenten fungiert weniger als Bauanleitung, sondern vielmehr als „Sehhilfe“ für Interessierte – eine Art „Quellenverzeichnis“, um Transparenz zur materiellen Herkunft herzustellen. So wird die gestalterische Arbeit der Studierenden nachvollziehbar und das ein oder andere Objekt verrät mehr, als es auf den ersten Blick preisgibt. Die verwendeten Halbzeuge gehen zuweil so sehr im Entwurf auf, dass man zweimal hinschauen muss, um sie zu entdecken. Viel Freude beim Lesen der Dinge!










Selected Pages from the Project Documentation
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